FDP web4you
Luis Deplazes
Luis Deplazes
Mehr Freiheit. Weniger Staat.

Wie ein Krokus Zürich und die FDP zum Blühen brachte

05.10.2022

Catherine Ziegler war PR- und Werbechefin bei Zürich Tourismus, als sie sich 1979 als Parteisekretärin der FDP-Stadtpartei bewarb. Diese Stelle wurde als Vollamt neu geschaffen, nachdem Kantonal- und Stadtpartei übereinkamen, je eigene Sekretariate zu führen. Ich habe sie beim Bewerbungsgespräch nicht gefragt, ob Sie eigentlich Mitglied der Partei sei. Sie erklärte, wie sie den Job angehen wolle, und sie hatte ihn. Vor 43 Jahren die erste Frau in einer solchen Funktion. Sekretär der Kantonalpartei war damals Eric Honegger.

Im «heissen Sommer 1980», als Zürich brannte, buchstäblich, Wochenende für Wochenende. Als in den Strassen von Zürich Barrikaden errichtet und Molotowcocktails gegen Gebäude und Polizisten geworfen wurden, Schaufenster zerstört und Millionenschäden angerichtet wurden, in der Zeit also, in der mit dem Schlachtruf «Züri brännt!» die Stadt von «Jugendunruhen» in Atem gehalten wurde, trat Catherine ihr Amt an. Es war über Monate verdammt ungemütlich. Mit unseren stets wiederholten Forderungen nach konsequenter Anwendung des Gewaltmonopols durch die Polizei, um die Gewaltexzesse zu beenden, machten wir uns bei der «Bewegung» nicht beliebt. Catherine blieb in dieser Zeit die Ruhe selbst. Ich eher weniger,

 

vor allem, als mir «Aktivisten» zu verstehen gaben, sie wüssten schon, in welchem Kindergarten mein Sohn sei.

Wir näherten uns den Märzwahlen 1982. Allmählich wurde es auf den Strassen etwas ruhiger. Wir vermuteten schon, dass grosse Teile der Bevölkerung stinksauer auf die «Chaoten» waren. Und auch auf die SP, die erhebliche Mühe hatte, sich eindeutig von den Gewaltakten zu distanzieren. Es war uns bewusst, dass wir bei den Gemeinderatswahlen zulegen könnten.

Ich erinnere mich gut an den Tag, als Catherine mir und dem Vorstand ihr Konzept für den Wahlkampf vorstellte. Es bestand aus zwei Massnahmen. Einem Plakat, auf dem unter einem gelben Krokus ein simpler Satz stand: «Züri blüeht! FDP». Und: Kleinen Säckchen mit Krokuszwiebeln drin, die auf Strassen und Plätzen verteilt werden sollten. Es war unglaublich. Die Leute standen Schlange. Und die Krokusse blühten rechtzeitig, in Vorgärten und Gärten und in Balkonkisten. Und dann kam der 7. März 1982. Die FDP gewann 10 Sitze hinzu, erreichte 36 Gemeinderatsmandate und einen WählerInnenanteil von 24.3 Prozent. Thomas Wagner wurde Stadtpräsident und mit Hugo Fahrner errang die Partei einen zweiten Sitz im Stadtrat. An der Wahlfeier liess Catherine alle gewählten Gemeinderätinnen und Gemeinderäte über einen «Catwalk» spazieren, in Kleidern von Grieder. 1984 verliess sie das Sekretariat. Sie heiratete Hans Ueli Peter, der zu jener Zeit der FDP-Gemeinderatsfraktion angehörte. Sie gründete ihr eigenes Modelabel «Collezione Caterina Zeta», war als Unternehmerin tätig und auch Initiantin der «Gesellschaft zu Fraumünster», deren erste «Hohe Frau» sie wurde. Erst als ich für diesen Nachlass ein Foto von ihr «in Aktion» suchte, wurde mir bewusst, wie sehr sie Kameras mied. Da wir uns nie aus den Augen verloren, bleibt mir ihr strahlendes Lachen bei unserer letzten Begegnung, beim Zmittag vor zwei Monaten, als Erinnerung. Ich hatte als Stadtparteipräsident das Privileg, drei meiner besten Jahre in der Politik mit ihr erleben zu dürfen.

Walter L. Blum, Stadtparteipräsident 1978 – 1982

News